160 Jahre Bizerba: ein Gespräch über Verantwortung, Innovation und Familiengeist
Bild: Bizerba SE & Co. KG
Das ist natürlich für uns ein ganz besonderer Moment – einer mehr in unserer langjährigen Bizerba Geschichte. Für mich persönlich ist es großartig, dass meine Schwester und ich diese Firma inzwischen in fünfter Generation begleiten dürfen. Und es macht uns sehr stolz, jetzt diesen weiteren Meilenstein „160 Jahre Bizerba“ zu erreichen.
Angela Kraut | Unsere Wurzeln geben uns Stabilität. Die Werte unseres Unternehmens wie Qualität, Verlässlichkeit und Verantwortung sind zeitlos. Sie helfen uns, mutig neue Wege zu gehen und die Zukunft zu gestalten. Das ist durchaus anspruchsvoll, denn die Entwicklungen sind rasant und vielfältig, siehe Themen wie Digitalisierung und KI. Unsere Wurzeln und Werte helfen uns, diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen.
Andreas W. Kraut | Auf der einen Seite stehen Tradition und Werte wie Verlässlichkeit und Verantwortung, die wir sowohl gegenüber Kunden als auch unseren Mitarbeitenden leben, und das seit 160 Jahren. Gleichzeitig sind wir bekannt für Innovation – einer der Gründe, warum es uns schon so lange gibt. Dieses Zusammenspiel aus Tradition und Innovation, das uns immer wieder nach vorne bringt, ist so etwas wie das Erfolgsgeheimnis von Bizerba – sei es früher in der Entwicklung von Hardware oder jetzt zunehmend im Bereich Software. Immer waren und sind wir technologisch an der Spitze.
Eine sehr aktive Rolle. Wir sehen Bizerba natürlich einerseits als Familienunternehmen in den Händen der Familie Kraut, andererseits gehören zur Bizerba Familie aber auch alle Mitarbeitenden, die wir dazu einladen, den Bizerba Spirit zu leben und sich einzubringen. Ein Familienunternehmen bedeutet aber auch, sich kritisch auseinanderzusetzen. Ziel muss es sein, dass jede und jeder dazu beiträgt, die Zukunftsfähigkeit von Bizerba zu sichern. Dazu vermitteln wir Verlässlichkeit, Zugehörigkeit und Geborgenheit, erwarten im Gegenzug aber auch Leistungsbereitschaft. Mitarbeitende sollen Entscheidungen so treffen, als würden sie für ein eigenes Unternehmen Verantwortung tragen. Eigenverantwortliches Handeln – das wünschen wir uns von den Mitgliedern der Bizerba Familie.
Zu unserer Geschichte und unserem Erfolgsrezept gehört es, seit 160 Jahren ein Innovationsmotor zu sein. Das erreicht man nur, wenn man sich stetig weiterentwickelt, anpasst und dem Wandel stellt. Diese Fähigkeit treibt uns an. Stillstand war nie eine Option – und ist es bis heute nicht. Zur Weiterentwicklung gehört auch, dass wir heute mehrere Standbeine haben und breit aufgestellt sind. Neben den Ladenwaagen und dem reinen Retail-Geschäft, aus dem wir kommen, haben wir sehr viel in Industrie-Wägetechnologie investiert und wachsen dort kontinuierlich. Somit haben wir Stabilität im ganzen Produktportfolio, das war auch ein bewusstes, strategisches Vorgehen. Wir sind nicht von einem Produkt oder einer Branche abhängig, sondern haben eine Risikoverteilung über mehrere Produkte und Branchen hinweg.
Dass es uns schon so lange gibt, zeigt, dass unsere Entscheidungen langfristig greifen. Wir sind nicht quartalsgetrieben wie beispielsweise eine Aktiengesellschaft, sondern denken in anderen Zyklen, eher in Dekaden. Wir sind nah dran an unseren Kunden und Partnern und probieren Dinge gemeinsam aus, haben viele Ideen für Innovationen. Da sind mitunter auch welche dabei, die nicht sofort umsetzbar sind, aber dann mittel- oder langfristig greifen. Natürlich brauchen wir auch den kurzfristigen Erfolg, ohne den geht es nicht. Über die Zeit machen uns aber genau die Projekte stark, die langfristig Potenzial haben, die wir konsequent verfolgen und dann umsetzen, wenn es zur Marktsituation passt.
Angela Kraut | Verantwortung heißt für mich auf jeden Fall, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Gleichzeitig bedeutet Verantwortung, ökologisch und sozial zu handeln. Beides muss miteinander in Einklang gebracht werden. Das ist für uns kein Widerspruch, das ist Teil unserer Identität. Natürlich sind manchmal auch Kompromisse nötig, um die beiden Ziele übereinzubringen. Deshalb ist es wichtig, Lösungen zu finden, die für alle passen.
Andreas W. Kraut | Verantwortung ist einer unserer wichtigen Werte, den wir schon von Beginn an leben. Wir übernehmen Verantwortung für unser Unternehmen, unsere Mitarbeitenden und unsere Kunden, und das wirklich gerne. Wir werden oft gefragt, warum wir so viel selbst machen. Eben weil wir persönlich einstehen wollen für unser Unternehmen, bis ins operative Tagesgeschäft hinein, das ist uns wichtig und macht uns Freude. Wir identifizieren uns mit dem, was wir tun – und erwarten dies auch von unseren Mitarbeitenden.
Darüber hinaus haben wir eine soziale Verantwortung. Wir tragen Balingen in unserem Firmennamen Bizerba, der sich aus dem Nachnamen unseres Gründers Andreas Bizer und den ersten Buchstaben des Ortsnamens zusammensetzt, und fühlen uns der Region gegenüber nicht nur verbunden, sondern auch verpflichtet. Deshalb bringen wir uns ein in das hiesige Vereinsleben und unterstützen soziale Einrichtungen. Es ist unser Anspruch, uns zu engagieren und mitzugestalten – gesellschaftlich wie politisch.
Ein Teil unserer Unternehmensstrategie 2030 ist, gezielt in unsere Mitarbeitenden zu investieren. Dabei geht es ganz wesentlich darum, Werte und Leitlinien zu vermitteln, und zwar länderübergreifend und unabhängig von der Position im Unternehmen. Damit setzen wir unserem eigenen Handeln einen verbindlichen Rahmen. Ziel ist, dass unsere Teams diese Werte jeden Tag weltweit leben und danach handeln, von Deutschland über Mexiko bis nach China, im Sinne des Unternehmens sowie unserer Partner und Kunden. Unseren Kunden kann es egal sein, von wo sie ein Produkt beziehen: Es hat immer Bizerba Qualität.
Die kulturelle Identität ist in Deutschland natürlich am größten, und es kommen auch immer wieder mal neue Länder dazu, die wir aufbauen müssen. Aber die Fundamente und die Leitplanken gelten für rund 4.500 Mitarbeitende weltweit gleich. Länderspezifische Marktgegebenheiten werden natürlich trotzdem berücksichtigt. Schließlich können Kundenbedürfnisse in Südafrika andere sein als in Deutschland.
Indem wir liefern, was wir versprechen. Ein ganz hohes Gut und ein wichtiger Anspruch ist Qualität. Auch Transparenz und Kundennähe sind entscheidend – sie dienen als Basis, um das Vertrauen in die Marke Bizerba zu erhalten und weiter zu stärken. Darüber hinaus investieren wir in Innovationen, die den Kunden einen echten Mehrwert bringen. Wir haben das Ziel, mit guten Ideen und neuen Technologien dem Wettbewerb immer eine Nasenlänge voraus zu sein, wie zum Beispiel mit der modernen Checkout-Lösung Supersmart im Retail-Bereich.
Um echte Innovationen zu schaffen, muss man die Basis legen. Wir sehen Innovationen als Verbindung aus technischen Möglichkeiten und Ideen, die von unseren Mitarbeitenden und Partnern kommen. Dafür muss man offen und transparent miteinander umgehen. Außerdem braucht es eine gute Fehlerkultur. Man muss auch Dinge ausprobieren und die Möglichkeit haben, kreativ zu sein, sich zu entfalten. Und wenn ein Weg nicht funktioniert, schlägt man einen neuen ein.
Auf der anderen Seite bedeutet Offenheit, sich auf neue Technologien und neue Partnerschaften einzulassen. Innovationen entwickelt man nicht im stillen Kämmerlein allein vor sich hin, es gibt zu viele Abhängigkeiten – aber auch Möglichkeiten. Dann muss man abwägen, was man selbst macht, und wo man andere mit einbezieht, damit eine Lösung groß werden kann. Nehmen wir als Beispiel unser Urprodukt, die Waage. Früher zeigte sie schlicht das Gewicht an – heute ist sie ein hochmodernes, vernetztes Multimedia-Gerät. Kameras, Objekterkennung und umfangreiche Softwarelösungen für die Prozessoptimierung sind fester Bestandteil dieser Technologie. Das eigentliche Wiegen ist dabei nur noch ein Element in einem komplexen Gesamtsystem. Hinter einem solchen Produkt steht ein weitreichendes internes und externes Netzwerk, das kontinuierlich entwickelt und gepflegt werden muss.
Mitarbeiterführung bedeutet für mich, Orientierung geben, Vertrauen schenken und Entwicklung ermöglichen. Es ist wichtig zuzuhören, Ideen aufzunehmen und damit die Eigeninitiative zu fördern. Viele gute Ideen entstehen direkt in unseren eigenen Reihen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass sich jede und jeder gesehen und wertgeschätzt fühlt – das gewinnt aus meiner Sicht zunehmend an Bedeutung. Dazu gehört auch, Anerkennung auszusprechen und Wertschätzung sichtbar zu machen.
Da sind wir wieder beim Thema Innovationskraft. Die entsteht auch aus engen, partnerschaftlichen Geschäftsbeziehungen. Denn auch von Partnern, Lieferanten und Kunden kommen gute Ideen. Wie man die Dinge besser machen und die besten Lösungen finden kann, können wir gar nicht allein wissen. Dazu brauchen wir Feedback. Eine Begegnung auf Augenhöhe ist auch hier das Erfolgsrezept.
Das ist ein ganz wichtiges Thema, denn wir sehen Nachhaltigkeit als Innovationstreiber. Energieeffiziente Produkte und digitale Lösungen sind sowohl ökologisch sinnvoll als auch wirtschaftlich attraktiv. Im besten Fall entsteht so wirtschaftlicher Erfolg aus der Nachhaltigkeit heraus. Beispielsweise haben wir eine Schneidemaschine entwickelt, deren Motor sich nach dem Schneidgut orientiert. Wird weicher Käse geschnitten, läuft er langsamer, bei harter Salami schneller, wodurch die Maschine weniger Strom verbraucht. Das ist ökologisch sinnvoll, und gleichzeitig spart der Kunde Geld. Es muss die Zukunft sein, dass Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen.
Für uns steht im Moment die geostrategische Ausrichtung im Fokus. Wir beobachten weltweit wirtschaftliche und politische Entwicklungen sehr genau, insbesondere in Europa, den USA und Asien, und verfolgen die daraus absehbaren Auswirkungen. Hier müssen wir entscheiden, was wir mit wem in welchen Ländern machen. Da die Entwicklungen so dynamisch sind, besteht hierin eine der aktuell größten Herausforderungen. Zudem ist es wichtig, sich von einzelnen Lieferanten nicht abhängig zu machen – Stichwort Halbleiter. Davor schützen wir uns mit einer Mehr-Lieferanten-Strategie, wobei wirtschaftliche Aspekte natürlich immer berücksichtigt werden müssen. Dadurch kann man Engpässe nicht immer ganz ausschließen, aber das Risiko deutlich reduzieren.
Offenheit ist die Basis für Innovationskraft. Das heißt nicht, dass wir alles nach außen offenlegen, aber in den eigenen Reihen muss das Zusammenspiel funktionieren. Da muss die Entwicklung schon antizipieren, was in der Produktion passiert und wie etwas im Service gegenüber dem Kunden gehandhabt wird. Sprich: Alle Bereiche im Unternehmen müssen partizipieren, um eine Innovation erfolgreich zu machen. Das gelingt nicht immer perfekt, aber das Ziel ist es, immer alles zu berücksichtigen. In diesem nicht ganz einfachen Prozess spielt auch Kritikfähigkeit eine entscheidende Rolle. Da beziehe ich mich selbst mit ein. Konstruktive, sachbezogene Kritik ist immer erwünscht.
Ich würde gerne in das Jahr 1924 zurückreisen, als die erste Bizerba Waage auf den Markt gekommen ist – unser erstes Erfolgsprodukt, mit dem wir damals Marktführer geworden sind. Bis dahin waren wir mehr oder weniger eine Waagenwerkstatt mit einer überschaubaren Dimension. Es war die erste so genannte Schnellwaage, auf die man nur das Produkt auflegen musste, und auf der anderen Seite wurde das Gewicht angezeigt. Das war der eigentliche Durchbruch für Bizerba. Für mich wäre es wirklich interessant zu wissen, wie die damaligen Kolleginnen und Kollegen agiert haben, und wie die Entwicklung dann ihren Lauf genommen hat. Da waren mein Urgroßvater und mein Großvater mit dabei, das war bestimmt eine spannende Zeit.
Das ist ein ganz wichtiges Thema. Fakt ist, dass man Investitionen generell durch klare Kennzahlen tracken und so mit dem Mut in Einklang bringen kann, in Zukunftstechnologien zu investieren. Und wenn sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt, wird rechtzeitig gegengesteuert. Sicherheit und Innovation können so Hand in Hand gehen, da gilt es, sorgfältig abzuwägen und auch mal zu diskutieren. Wir brauchen Innovationen, um wachsen zu können – mit Mut und Vernunft umgesetzt.
Ich würde ihm für seinen Pioniergeist danken, der uns bis heute inspiriert. Was er auf die Beine gestellt hat, ist der Ursprung unseres gesamten Unternehmens. Spannend fände ich es herauszufinden, wo die Wurzeln unserer Innovationskraft liegen. Deswegen würde ich ihn fragen, was ihn dazu bewegt hat, sich mit Wägetechnologie zu beschäftigen. Hat er damals schon das Potenzial erkannt?
Andreas W. Kraut | Zuallererst möchte ich natürlich allen danken, die Bizerba sowohl als Mitarbeitende als auch als Partner und Kunden die Treue halten – und das zum Teil über Generationen hinweg. Es gibt wirklich beeindruckende Geschichten von Menschen, deren Großväter schon bei Bizerba gearbeitet haben, und von Kunden, die schon seit 80 oder 100 Jahren unsere Bizerba Waagen einsetzen. Das ist nicht nur für Bizerba eine Erfolgsgeschichte, sondern für all jene, die Teil davon sind – und dafür sind wir sehr dankbar. Auch dafür, dass wir dieses Unternehmen gemeinsam gestalten durften und noch immer dürfen. In die Zukunft gerichtet lautet die klare Botschaft, dass wir uns dafür einsetzen, das Familienunternehmen Bizerba weiter voranzubringen. Wir laden alle ein, dabei mitzuwirken – für die nächsten erfolgreichen 160 Jahre und viele nachwachsende Generationen.
Angela Kraut | Meine Botschaft an unsere Mitarbeitenden ist verbunden mit einem großen Dank für ihr Engagement. Ohne ein starkes Team ist Erfolg nicht denkbar, es ist das Herz unseres Unternehmens. Bei unseren Partnern und Kunden bedanke ich mich für ihr Vertrauen und freue mich darauf, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. An die nachfolgende Generation habe ich den Wunsch, dass sie die Werte von Bizerba bewahren und den Mut haben, immer wieder Neues zu wagen.